Zurück zum Blog 15.03.2019

Lehren einer 101-Jährigen

Über 100 Jahre alt zu werden ist heute keine Seltenheit mehr. Bei der Frage, was all die Menschen im „Club der Über-100-Jährigen“ gemeinsam haben, sind sich Forscher einig: Die Ernährung spielt – natürlich neben anderen Faktoren – eine sehr wichtige Rolle. Wir zeigen Ihnen, was wir von Hundertjährigen über eine gesunde Ernährung lernen können.

Am 7. März war Welttag der gesunden Ernährung. Ein Tag, der uns (leider nur) einmal im Jahr dazu ermutigen soll, unsere Essgewohnheiten zu überdenken. Zu süss, zu salzig, zu viel Fleisch, zu wenig Früchte und Gemüse – dabei beeinflusst kaum etwas unsere Gesundheit mehr als eine gesunde Ernährung.

Im Interview mit der 101-jährigen Claire Fanti, Mutter unseres Geschäftsführers, haben wir erfahren, wie sie sich all die Jahre ernährt hat und welche wertvollen Tipps sie jedem von uns auf den Weg mitgeben kann.

Claire, wie geht es Ihnen mit über 100 Jahren?
Natürlich gibt es immer mal wieder kleine Probleme, aber grundsätzlich fühle ich mich wohl und habe immer noch viel Freude am Leben.

Denken Sie, dass Ihre Ernährung dazu beigetragen hat, dass Sie so alt geworden sind?
Ich denke schon, ja. Jedoch muss ich sagen, dass die Ernährung nur ein Teil eines gesunden Lebensstils ist. Natürlich kommt es auch auf andere Dinge an.

Wie würden Sie Ihre Ernährung allgemein beschreiben?
Grundsätzlich esse ich das, worauf ich Lust habe, und schaue darauf, dass ich mich saisongerecht ernähre. Die wichtigste Mahlzeit ist bei mir das Mittagessen. Abends esse ich sehr wenig und auch morgens gibt es nur einen Zwieback mit Honig. Honig ist sehr wichtig, davon esse ich jeden Tag ein bisschen. Milchprodukte gibt es bei mir keine, ausser ein wenig Käse aus der Region (Jura).

Ich habe grosse Freude daran, mir mein Essen immer noch selbst zu kochen. Zum Anbraten benutze ich meistens Sonnenblumenöl oder ein wenig Butter. Ich verwende für fast alle Saucen Zwiebeln, Schalotten und Knoblauch. Für meine Salate brauche ich nur etwas Olivenöl und auch hier gehören Zwiebeln, Schalotten und Knoblauch dazu, sowie Petersilie und im Frühling Schnittlauch.

Gibt es etwas, was Sie jeden Tag zu sich nehmen?
Ich esse jeden Tag Saisongemüse. Jetzt im Winter sind das zum Beispiel Kabis, Kohl, Lauch, Sellerie, Kohlrabi, weisse Rüben, Karotten, Kartoffeln und auch Salate – alles sehr gesund. Linsen mit Kümmel gehören auch regelmässig zu meinen Mahlzeiten. Sonst gibt es ab und zu ein wenig Reis, ein bis zwei Mal alle zwei Wochen Pasta und sehr wenig Fleisch. Ausserdem trinke ich jeden Tag ein Gläschen Rotwein.

Hat sich Ihre Ernährung im Verlauf der Jahre verändert?
Eigentlich hat sich über die Jahre nicht allzu viel geändert. Ich esse heute aber weniger Fleisch als früher. Ausserdem habe ich angefangen, mehr mit der indischen Knolle Kurkuma zu kochen und öfters Gemüse wie Peperoni für Saucen zu verwenden. Im Sommer esse ich seit jeher viele Brombeeren, Himbeeren, Erdbeeren und verschiedene Johannisbeeren. Diese pflücke ich direkt von den Sträuchern und geniesse sie sofort.

Oft heisst es, man sollte fünf Portionen Obst und Gemüse täglich essen. Was halten Sie von solchen Empfehlungen?
Die Empfehlung, viel Obst zu essen, erscheint mir sinnvoll. Nur, wenn man sich saisongerecht und im natürlichen Rhythmus ernährt, ist die Empfehlung eher überflüssig, da man dann ja sowieso viel Obst und Gemüse zu sich nimmt. Im Verlauf des Tages esse auch ich regelmässig Äpfel, im Winter Mandarinen und Orangen, aber keine Zitronen – die mag ich nicht sehr. Aber auch Schokolade muss ab und zu sein, denn die tut manchmal echt gut und schmeckt zudem noch so lecker.

Vegan soll fit machen und uns jung halten. Was halten Sie von dieser Ernährungsweise ohne tierische Produkte?
Solche Ideologien interessieren mich grundsätzlich nicht. Sie erscheinen mir sehr einseitig und in kälteren Klimazonen könnten solche Ernährungsweisen sogar gefährlich werden.

Welchen Geheimtipp zur gesunden Ernährung würden Sie uns abschliessend mitgeben?
Eigentlich sollte jede und jeder wissen, was gesund ist, da unser Körper uns signalisiert, was er gerade braucht – man muss nur auf ihn hören. Aber grundsätzlich gilt, dass saisonale Produkte aus der Region gesünder sind als importierte Produkte aus fernen Ländern. Deshalb schwöre ich schon mein ganzes Leben lang auf diese Art der Ernährung.